Über Land und Leute in Bhutan

Die Volksgruppen in Bhutan

Bhutaner setzen sich aus drei ethnischen Gruppen zusammen: die Sharchops im Osten, die Ngalops im Westen und die Lhotshampas im Süden. Gemeinsam bilden sie die indigene Bevölkerung Bhutans, bekannt als die Drukpas. Die Sharkops, von denen angenommen wird, dass sie aus indo-mongoloiden Ursprungs sind, gelten als die frühesten, indigenen Bewohner Bhutans, während die Ngalops von den tibetischen Ebenen abgewandert sind und den Buddhismus in das Land brachten. Die Lhotshampas kamen aus Nepal im frühen 20. Jahrhundert auf der Suche nach landwirtschaftlichen Flächen und Arbeit, und ließen sich in den südlichen Ausläufern des Landes nieder. Zu den Minderheiten in Bhutan gehören die Layap, Brokpa, Doya, Lhopu, Dhakpa und Lepcha. Die Vielfalt der ethnischen Herkunft sowie die geographische Isolation der Hochlanddörfer in Bhutan führten zu einer Entstehung von etwa 19 verschiedenen Sprachen und Dialekten, die von verschiedenen ethnischen Gruppen im ganzen Land gesprochen wurden. Die Landessprache von Bhutan ist Dzongkha.

Frau in Bhutan

Das alltägliche Leben in Bhutan

80% der Bevölkerung von Bhutan leben in ländlichen Gebieten von der Landwirtschaft. Diejenigen, die in höheren Höhen leben, züchten Vieh und Yaks. Das alltägliche Leben wird stark von den Jahreszeiten und von der Religion dominiert. Bhutan ist das einzige Land der Welt, das eine tantrische Form des Mahayana-Buddhismus (Drukpa Kagyu) als Staatsreligion hat. Der Je-Khenpo (Chef-Abt) kümmert sich um die religiösen Angelegenheiten des Landes und genießt mit dem König die gleiche Macht.

Der Buddhismus spielt eine wichtige Rolle alltäglichen Leben. Religiöse Feste sind fester Bestandteil und die Landschaft ist mit religiösen Stätten und Symbolen geschmückt. Überall finden sich Chorten und Stupas und bunte Gebetsfahnen (dharshing) flattern im Wind. Man sagt, dass die Gebete, die die Flaggen schmücken, vom Wind getragen und so in jede Ecke der Welt verbreitet werden. Sowohl Alt als Jung umrunden Lakakhangs (Tempel) und jedes bhutanische Haus hat seinen eigenen choeshum (Altarraum) für Gebet, Meditation und Opfergaben. Jahrhundertealte, traditionelle Musik und Tanz aus den verschiedensten Regionen von Bhutan haben bis heute überlebt und sind mit heiliger Symbolik beladen. Die dramatischen, energischen und prächtigen Maskentänze hinterlassen sicherlich bei jedem Besucher einen bleibenden Eindruck. Architektur, Kunst und Malerei bezeugen ebenfalls die spirituelle Dimension des bhutanischen Lebens, sei es an Wänden, an einem Straßenrandstein, auf einer Dachterrasse, einem der berühmten Thangkhas oder Wandmalereien.

Vorbereitungen für das Tshechu Fest im Dzong von Trashigang, Ostbhutan

In alten Tagen folgten die Bhutaner einem System der arrangierten Ehe, die von den Eltern der zukünftigen Braut und Bräutigams ausgehandelt wurde. Diese Tradition wird auch heute noch in einigen Teilen des Landes fortgeführt, besonders in ländlichen Gebieten. So glaubt man, dass eine arrangierte Ehe länger halten und ein Netzwerk friedlicher Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft gefördert wird. Beeinflusst von der westlichen Kultur, verbreiten sich heute romantische Eheschließungen zunehmend, da sich die Denkweise und die Einstellung zur Ehe ebenfalls verändert haben. Die bhutanische Ehe kann entweder eine informelle Angelegenheit sein oder komplizierte Zeremonien beinhalten, je nach dem Status der Familie. Für weniger wohlhabende Familien wird die Heirat oft nicht einmal öffentlich bekannt gegeben. Es gibt übrigens keine Mitgift in Bhutan. In einigen abgelegenen Gebieten des Landes gibt es jedoch die Tradition, Wein, Getreide und geschlachtete Schweine als Geschenke an die Eltern der Braut zu geben. Die Leute im Süden folgen dem hinduistischen System der Ehe.

Gebetsfahnen in Bhutan

Die Geschichte Bhutans

Archäologische Hinweise deuten auf menschliche Zivilisation in Bhutan seit der Steinzeit, und Aufzeichnungen datieren Bhutans früheste Siedlungen bis in die Rigvedic Ära in Indien. Guru Rinpoche oder Padmasambhava (der „zweite Buddha“, mit der Fähigkeit, sich in acht verschiedenen Formen darzustellen) besuchte Bhutan im 8. Jahrhundert, einer Zeit, in der das Land von Clans beherrscht wurde. Man besagt, dass Padmasambhava das Böse unterwarf, den Buddhismus förderte und das Land mit seinen Lehren vereinheitlichte. Religiöse Stätten, die von Guru Rinpoche gegründet wurden, sind bis heute bedeutende Wallfahrtsorte in Bhutan, darunter zwei seiner heiligsten Denkmäler: Kurjey Lhakhang und Taktshang Lhakhang, besser bekannt als das Tigernest Kloster.

Die Ankunft von Shabdrung Ngawang Namgyel im Jahre 1616 führte eine dynamische Zeit in der Geschichte von Bhutan ein. Er ist bekannt für den Bau wichtiger Dzongs (Festungen) und buddhistischer Klöster im ganzen Land. Dzongs dienten dazu, das Tal zu bewachen, und sind heute religiöse und administrative Zentren der jeweiligen Region. Zudem wurde Drukpa Kagyu als Staatsreligion in Bhutan eingeführt und ein duales, zeitliches und theokratisches Regierungssystem. Der Je Khenpo (Chefabt) war das religiöse Oberhaupt und der Druk Desi der weltliche Kopf des Landes auf Zeit. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein System von Penlops (regionalen Gouverneuren). Shabdrung legte viele bhutanische Bräuche, Traditionen und Zeremonien fest und schmiedete die kulturelle Identität. Sein System der nationalen Führung und der bhutanischen Identität dauerten bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Nach der Herrschaft von 54 zeitlichen und 60 religiösen Führern wurde der Penlop von Trongsa, Jigme Namgyel, Bhutans stärkster Führer, nachdem er verschiedene Bürgerkriege unter Kontrolle gebracht hatte. Er wurde 1881 von seinem Sohn Ugyen Wangchuk, dem Penlop von Paro, abgelöst. Dieser fuhr fort, die Nation zu befrieden.

Das heutige Bhutan wird von einer erblichen Monarchie regiert, die 1907 mit der Geburt der Wangchuk-Dynastie gegründet wurde. In diesem Jahr wurde Ugyen Wangchuk in einer historischen Versammlung als der erste, erbliche König von Bhutan gewählt. Die Regierungen der ersten beiden Könige waren politisch stabil. An den dritten König, Jigme Dorji Wangchuk, erinnert man sich als den Vater des modernen Bhutans: Er hat bedeutende Entwicklungen und Veränderungen für das Land eingeleitet und die globale Rolle des Königreichs verstärkt. 1972 wurde Jigme Singye Wangchuk zum vierten König von Bhutan. Er legte den Schwerpunkt auf die Erhaltung des reichen, religiösen und kulturellen Erbes des Landes und führte die Idee des Bruttonational-Glücks ein. Ende 2006 dankte er ab und sein Sohn, der Kronprinz Jigme Khesar Namgyel Wangchuk, übernahm das Königszepter. Es folgte die Einführung der parlamentarischen Demokratie und das Land wird seither von gewählten Volksvertretern regiert.

Das könnte auch interessant sein…

Rezept Ema Datse, bhutanischer Chili-Käse-Eintopf

Unser erprobtes Rezept für bhutanisches Ema Datse, ein Chili-Käse-Eintopf

Über Land und Leute in Bhutan

Über Land, Leute und die Geschichte Bhutans

Bhutan von West nach Ost

Willkommen in Bhutan, dem Land des Donnerdrachen. Unter den Gipfeln des mächtigen Himalaya gilt das winzige Königreich als das letzte Shangri-La auf Erden und ist in Geheimnissen von Jahrhunderten gehüllt. Ein wenig scheint die Zeit hier still zu stehen…

Filmtipp What Happiness is

Diesen sehenswerten Dokumentarfilm über Bhutan möchten und müssen wir Euch ans Herz legen! Nach unserer ersten Bhutan Reise lief der Film bei uns 2013 in kleinen Programmkinos. Den mussten wir uns natürlich sofort anschauen und es hat sich gelohnt. Der Film zeigt wunderschöne Bilder von Bhutan und gibt einen Einblick in das Leben der Menschen.