Was ist Bruttonationalglück?
Das Glücksprinzip in Bhutan

1979 regierte Jigme Singye Wangchuck das Königreich von Bhutan seit fünf Jahren. Seine Regentschaft war davon geprägt, den von seinem Vater eingeleiteten Wandel hin zur Moderne fortzuführen. Gleichzeitig war er bemüht, die Traditionen Bhutans in religiöser wie auch kultureller Hinsicht hoch zu halten.

Diese Aspekte sind wichtig für das Verständnis der Antwort, die der König einem indischen Reporter gab, als dieser ihn in eben jenem Jahr 1979 nach dem Bruttosozialprodukt seines Landes fragte. Jigme Singye Wangchuck führte aus, dass er sich zwar der wirtschaftlichen Weiterentwicklung Bhutans verpflichtet fühle, dabei aber dessen einzigartige Kultur und die Werte des Buddhismus nicht vernachlässigt werden dürften. In der Folge entstand die staatliche Kommission für das Bruttonationalglück.

Die buddhistische Sichtweise

Diese Entwicklung hat ihren Grund nicht zuletzt in der Religion. Der Buddhismus kennt kein Jenseits, wie etwa der Islam oder das Christentum. Vielmehr kehren die Seelen immer wieder in unterschiedlicher Form zurück und erfahren auf diese Weise eine Läuterung. Um diese Läuterung zu erfahren, müssen die Umstände auf Erden entsprechend gestaltet sein.

Bei der Idee vom Bruttonationalglück geht es im Besonderen auch um spirituelle Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden im Buddhismus die zentrale Rolle spielen. Während das Bruttoinlandsprodukt lediglich die wirtschaftliche Leistungskraft einer Volkswirtschaft abbildet, wird mit dem Bruttonationalglück der Versuch unternommen, die tatsächliche Zufriedenheit der Bevölkerung so zu erfassen, dass sich durch vergleichbare Zahlen die Entwicklung des nationalen Befindens ablesen lässt und an kritischen Punkten Änderungen vorgenommen werden können.

Bhutanisches Lebensrad

Kein leichter Weg zum Bruttonationalglück

Auch wenn aus der Antwort von Jigme Singye Wangchuck viel Weisheit spricht, rettete ihn diese nicht vor einer Vielzahl innenpolitischer Probleme. Entsprechend stand die Bildung der Kommission für das Bruttonationalglück nicht ganz oben auf der Agenda des Königs. Dieser hatte bis Mitte der Achtzigerjahre vor allem mit inneren Unruhen zu kämpfen, wie die Konflikte im Süden des Landes mit nepalesischen Immigranten. Außerdem sträubte sich der König lange gegen die Einführung demokratischer Strukturen in seinem Königreich. Zu einer neuen Verfassung kam es erst im Jahr 2003 und zu ersten Parlamentswahlen sogar erst 2008. Insofern verwundert es nicht, dass die Umsetzung der Ideen des Königs zum Bruttonationalglück sich ebenfalls über eine lange Zeit hinzog.

Chorten und Gebetsfahnen im Sonnenaufgang in Bhutan

Das Bruttonationalglück ruht auf vier Säulen

Im Hinblick auf das Bruttonationalglück sind für Bhutan vier Aspekte von entscheidender Bedeutung. Das oberste Prinzip bildet hierbei die Förderung von sozial gerechten Strukturen im Rahmen der gesellschaftlichen wie auch wirtschaftlichen Entwicklung. Die nicht weniger wichtige zweite tragende Säule bildet die Bewahrung und Förderung der traditionellen Kultur Bhutans. Gleiches gilt für den Schutz der Umwelt und den Erhalt der Kulturlandschaft. Die vierte und letzte Säule ist die Verpflichtung zur Schaffung möglichst guter Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

Nur wenn alle diese Aspekte in gleichberechtigter Weise zum Tragen kommen, erhöht sich auch das Bruttonationalglück. Allerdings stellte sich für die Kommission für das Bruttonationalglück im nächsten Schritt die wichtige Frage, wie sich das Bruttonationalglück eines Landes messen lässt. Denn während beim Bruttosozialprodukt lediglich verschiedene Kennziffern erfasst und aufbereitet werden müssen, geht es beim Bruttonationalglück auch viel um das subjektive Empfinden der Bevölkerung.

Dzong in Bhutan mit Mönchen

Die erste Befragung zum Bruttonationalglück

Um Messungen zum Bruttonationalglück vornehmen zu können, wurden 2005 in Thimphu durch das Zentrum für Bhutanstudien Indikatoren entwickelt, auf deren Grundlage im nächsten Schritt ein Fragebogen erarbeitet wurde. Eine erste Testbefragung erfolgte im Jahr 2006 mit 350 Teilnehmern. Die erste umfangreiche Befragung erfolgte zwei Jahre später und wurde in 12 der 20 Distrikte Bhutans vorgenommen. Der Fragebogen 2008 enthielt dabei insgesamt 750 Fragen, die von 950 Teilnehmern beantwortet wurden. Der hierfür notwendige Zeitaufwand lag bei etwa fünf bis sechs Stunden.

Tigernest in Bhutan

Das Konzept zur Befragung

Die Befragung des Jahres 2008 war in neun Teile untergliedert.

Teil eins befasste sich mit dem Wohlbefinden, also der allgemeinen Lebenszufriedenheit, sowie positiven wie auch negativen Emotionen und spirituellen Fragen. Der zweite Teil beschäftigte sich mit dem Thema Gesundheit sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht. Der dritte Teil erfasste die Nutzung von Zeit in Bezug auf Arbeit, Schlaf und Freizeit. Im vierten Teil ging es um das Thema Bildung, sowohl im Hinblick auf Ausbildung als auch auf Werte. Teil fünf war der kulturellen Vielfalt Bhutans gewidmet, wobei es neben Sprache und Kunst auch um Dinge wie den Driglam Namzha, also den in Bhutan gültigen Kodex für Benehmen und Kleidung, ging. Im sechsten Abschnitt der Befragung war schließlich die gute Regierungsführung an der Reihe. Hierbei drehte sich die Befragung um Aspekte wie politische Partizipation, politische Freiheit sowie Leistungen der Regierung. Teil Sieben umfasste Fragen zur „Lebendigkeit der Gemeinschaft“. In Teil acht wurden Umweltfragen erörtert. Teil neun schließlich bezog sich auf den Lebensstandard im Hinblick auf Einkommen, Vermögen und Unterbringung.

Weitere Befragungen zum Bruttonationalglück

Nach der ersten Befragung wurden nicht nur die Ergebnisse ausgewertet, sondern auch der Prozess der Befragung einer erneuten Überprüfung unterzogen. Zwei Jahre später wurde dann 2010 eine erneute Befragung durchgeführt. Mit 7.142 Teilnehmern war diese deutlich repräsentativer und dauerte im Vergleich zur ersten Befragung mit knapp drei Stunden auch nur noch die Hälfte an Zeit.

Nach diesen Erhebungen waren in Bhutan 40,9 Prozent der Menschen glücklich. Bei einer erneuten Befragung 2015 stieg dieser Wert auf 43,4 Prozent. Dabei waren Männer in der Regel glücklicher als Frauen, Menschen in den Städten generell glücklicher als die Landbevölkerung und die Zufriedenheit im Hinblick auf die Gesundheit bei fast allen Befragten jeweils am höchsten. Wie die weitere Entwicklung in Bhutan im Hinblick auf das Bruttonationalglück laufen wird, wird die Zukunft zeigen. Du kannst Dir aber auch schon heute ein eigenes Bild vom Leben der Menschen in Bhutan machen und Dir dann eine eigene Meinung bilden, wie es um deren Glück derzeit tatsächlich bestellt ist. Eine Reise nach Bhutan lässt sich bequem und einfach unter www.blueelephants.de buchen.

Filmtipp: What Happiness is

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Jessica vor dem Tigernest in Bhutan