Indien und der Monsun

Kann ich überhaupt während der Monsunzeit nach Indien reisen? Eine nachvollziehbare und häufig gestellte Frage. Denn Regen und Überschwemmungen können dem Urlaub einen ordentlichen Dämpfer verpassen. Aber Indien hat auch während der Monsunzeit durchaus seinen Reiz und das Reisen bringt sogar gewisse Vorzüge mit sich. Und nicht zuletzt ist der Monsun ein beeindruckendes Naturphänomen! Er ist Indiens einzige Wasserquelle und damit die Seele des Landes.

Fischer auf dem Nachhauseweg in den Backwaters, Kerala

Das Phänomen Monsun

Mit dem Begriff Monsun ist tatsächlich ein Wind gemeint. Dieser weht in den Monaten April bis Oktober aus südwestlicher Richtung. Offiziell dauert der Sommermonsun in Indien von Juni bis August. Die indische Ebene heizt sich in den Monaten April und Mai enorm auf. Insbesondere im Mai sind Temperaturen von über 40 Grad nicht unüblich. Die erhitzte Luft entweicht nach oben und so entsteht auf dem Festland ein Tiefdruckgebiet. Dieses zieht Luft vom Meer an und die Winde treiben regengeladene Wolken vom Indischen Ozean vor sich her. Sobald die Wolken auf indische Gebirgslandschaften treffen, wie den Himalaya oder die Westghats in Südindien, entladen sie sich und es regnet.

Monsun, der: Beständig wehender, halbjährlich die Richtung wechselnder Wind besonders Süd- und Ostasiens

Ab September / Oktober wechselt der Monsun dann die Richtung und weht in den Wintermonaten aus Nordost. Er bringt trockenere und kältere Luft ins Land. Die Trockenzeit und damit auch die beliebteste Reisezeit beginnt.

Eine kleine Besonderheit betrifft die Region Tamil Nadu und Kerala im Süden Indiens. Tamil Nadu wird in den Sommermonaten nicht ganz so arg vom Sommermonsun betroffen, wie andere Teile des Landes. Allerdings erhalten diese Regionen in den Monaten September bis in den November hinein ihren Regen vom Nordost-Monsun bzw. Wintermonsun.

Die Moschee in Delhi nach einem Regenschauer

Die Moschee in Delhi nach einem Regenschauer in der Monsunzeit

Reisen in der Monsunzeit

In der Monsunzeit regnet es nicht plötzlich überall im ganzen Land. Er setzt Anfang Juni im Süden ein und zieht dann langsam Richtung Nordost. Auch sind nicht alle Regionen gleichermaßen betroffen. Ein so großes Land wie Indien kann eben auch klimatisch nicht über einen Kamm geschoren werden. Einige Teile des Landes, wie kleine Gebiete im Bundesstaat Maharashtra, haben gar seit Jahren keinen Regen mehr abgekommen haben. Die Bauern kämpfen hier mit einer katastrophalen Dürre. Die Region Meghalaya hingegen, im Nordosten Indiens gelegen, ist eine der regenreichsten Region der Welt.

In den Hauptregionen Indiens, die für Besucher interessant sind, regnet es normalerweise auch nicht den ganzen Tag. Du musst eher mit platzartigen Regenfällen rechnen, die aus dem Nichts kommen und ebenso schnell wieder aufhören. Sie sorgen für die nötige Erfrischung und Abkühlung. Außerdem geht es überall ein wenig ruhiger zu. Es sind nicht so viele Touristen unterwegs und man profitiert von den günstigen Preisen in der Nebensaison. Du erlebst Indien von einer ganz anderen Seite. Nach der Trockenzeit im Winter und der großen Hitze im Mai, lebt die Natur regelrecht auf und es grünt und blüht überall. Es ist Erntezeit und Du kannst frische Mangos und Lychees direkt vom Baum genießen. Die Mangos sind so saftig, dass man sie nicht schält, sondern direkt aus der Schale lutscht.

Tipps für Reiseziele in der Monsunzeit

Ihr könnt tatsächlich das ganze Jahr über nach Indien reisen, auch in der Monsunzeit. Im Wüstenbundesstaat Rajasthan beispielsweise regnet es weniger, als man denkt. Es gibt aber einige Ecken, die sich während der Monsunzeit ganz besonders lohnen!

Die Region Ladakh

Im indischen Himalaya findet die landschaftliche und kulturelle Vielfalt Indiens ihren Höhepunkt – und dass im wahrsten Sinne des Wortes. Ladakh ist das indische Dach der Welt und nur in den Sommermonaten bereisbar. Ein Genuss für Augen und Herz sind die schneebedeckten Himalayaberge, Mantras singende Mönche in roten Roben, weißgetünchte Stupas, stille Klöster, endlose Horizonte und weite, karge Berglandschaften. Und die bunten Klosterfeste wahrlich ein Erlebnis!

Gompa of Drugpa in Ladakh

Panorama in Ladakh, dem indischen Dach der Welt

Das tropische Kerala

Kerala im Süden ist der Smaragd Indiens. Nach einem Regenschauer glitzern und funkeln die tropischen Landschaften und der Dschungel ist saftig grün. Auch ist die Regenzeit besonders gut geeignet für eine ayurvedische Behandlung. Das feuchtwarme Klima hilft die Poren zu öffnen und der Körper ist empfänglicher für die Behandlungen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Periyar National Park das ganze Jahr über geöffnet ist, auch während der Monsunzeit – im Gegensatz zu den meisten anderen Nationalparks in Indien. Besondere Festivals sind die berühmten Schlangenbootrennen und das Fest Onam.

Bootsrennen in Kerala

Schlangenbootrennen in Kerala, Indien

Indische Hill Stations

Mach es wie die Briten einst und entfliehe der Sommerhitze in den luftigen Hill Stations… Ein Abstecher lässt sich gut in fast jede Rundreise einplanen und wird Deine Reise ungemein bereichern. Die Hill Stations liegen in einer Höhe von etwa 1.000 bis 1.500 m. Besonders bekannt sind die Orte Munnar, Ooty & Coonoor im Süden des Landes, und Dharamshala, Dehradun & Darjeeling in Nordindien.

Blick auf Dharamsala

Blick auf Dharamsala, dem neuen Heimatort des Dalai Lamas

Das Tal der Blumen

Einmal im Jahr erblüht ein Tal in der nordindischen Gebirgslandschaft von Uttarakhand und wird durch den Monsunregen erst lebendig. In diesem Himalayatal wachsen 300 verschiedene Blumenarten, die sich wie ein bunter, blumiger Teppich über die Landschaft legen. Das Tal ist nur in den Sommermonaten im Rahmen einer etwa 15 km langen, teils anspruchsvollen, Wanderung zugänglich.

Valley of Flowers in Indien

Der Monsunregen lässt das Valley of Flowers in Uttarakhand alljährlich im Sommer erblühen

Kofferpacken für die Monsunzeit

Für die Regenzeit empfehlen wir als erstes offenes Schuhwerk. Robust sollten sie sein und nicht bei der ersten Berührung mit Wasser auseinanderfallen. Wir schwören ja auf Flipflops… Die Regenfälle kommen plötzlich, überschwemmen die Straßen und zwangsläufig wirst Du auch in knöcheltiefe Pfützen treten. Geschlossene Schuhe sind daher nicht ratsam. Für den Fall, dass Ihr komplett nass geworden seid, meidet klimatisierte Räume und wechselt schnellstmöglich die Klamotten. Zudem empfehlen wir dunkle Hosen, damit Schlammspritzer nicht so auffallen oder gar das blütenweiße Beinkleid ruinieren. Eine leichte Regenjacke und/oder ein Schirm gehören ebenfalls ins Gepäck, wobei Ihr Euch einen Schirm auch in Indien günstig kaufen könnt. Achtet bei der Regenjacke darauf, dass sie leicht und atmungsaktiv ist, denn es ist immer noch warm. Eine wasserfeste, robuste Tasche, mit der Ihr tagsüber auf Achse seid, schützt Eure persönlichen Dinge, die Ihr bei Euch tragt (Geldbörse, Handy, Kamera etc.). Und nicht zuletzt ein Mückenschutz. Wir haben unseren Mückenschutz in Indien besorgt (z.B. Odomos). Wenn Du aber hautempfindlich bist und auf Nummer sicher gehen willst, lasse Dich lieber in Deiner heimischen Apotheke beraten.

Jessica unterwegs in Delhi, Indien

Unterwegs in Delhi während der Monsunzeit. An diesem Tag blieb es trocken.

Wir sehen uns im Sommer in Indien!

Eure Jessica

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