Reisefotografie – Tipps für gute Reisefotos

In fast jedem schlummert doch ein kleiner Hobbyfotograf und wer verreist, hat normalerweise auch eine Kamera im Gepäck. Von der Handykamera bis zur professionellen Fotoausrüstung gibt es viele Möglichkeiten, die schönste Zeit des Jahres in Bildern festzuhalten. Und auf einer Rundreise in Indien, Nepal & Bhutan bieten sich praktisch an jeder Ecke bunte, kuriose und unglaubliche Motive. Aber wie machen wir gute Fotos, auf denen wir Indien praktisch riechen können oder die Tempelglocken wieder in den Ohren klingen?

Wir haben nachgefragt bei Peter Jacques, Fotograf aus Leidenschaft. In jeder freien Minute ist er mit seiner Fotoausrüstung unterwegs und auf allen Veranstaltungen in Duisburg-Ruhrort und Umgebung anzutreffen. Er knipst wunderschöne Fotos, unter anderem für das Kreativquartier Ruhrort. Hier geht es zur Facebook Seite – überzeugt Euch einfach selbst. Bei schönem Wetter und einem Kaltgetränk in unserer Hafenkneipe in Ruhrort, haben wir uns von Peter ein paar Tipps geben lassen, und für Euch nachstehend zusammengefasst.

Fotograf unterwegs

Mit welcher Kamera knipse ich die besten Fotos?

Eigentlich lautet die richtige Frage: Welche Kamera passt am besten zu mir? Wie Du am liebsten unterwegs bist, weißt Du selbst am besten. Entscheide daher selbst, mit welcher Kamera Du Dich auf einer Reise am wohlsten fühlst.

Die Handykamera

Ein Handy ist klein, leicht und es passt in jede Tasche. Kurzum: Einfach praktisch! Und das iPhone oder das Galaxy 8 machen tatsächlich sehr gute Bilder. Darüber hinaus sind sie robust und staubgeschützt. Empfehlenswert ist die Mitnahme einer Powerbank und achtet auf genügend Speicherplatz. Der Nachteil: Die Handykamera schwächelt insbesondere bei schlechtem Licht, vor allem wenn es zu dunkel ist. Außerdem werden Bilder nur im JPEG-Format gespeichert und nicht im RAW-Format. Ein RAW-Format ist ein unbearbeitetes Bildformat und bietet Dir bessere Möglichkeiten zur Nachbearbeitung Deiner Bilder.

Geotagging

Diese Option ist besonders für „Wildknipser“ geeignet, die zum Ende Ihrer Reise tausende Fotos auf Ihrer Speicherkarte haben und gar nicht mehr wissen, welches Bild wo entstanden ist. Das Geotagging kann unter den Einstellungen Deines Handys oder Kamera aktiviert werden (sofern vorhanden). Die Koordinaten werden dann mit dem Bild zusammen abgespeichert.

Die Kompakt- bzw. Outdoorkamera

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Kompaktkamera bessere Bilder macht, als ein Handy. Und sie ist ebenfalls schön leicht und klein. Kompakt eben, wie der Name bereits sagt. Sie ist bei passenden Motiven schnell gezückt und das sogar mit einer Hand, wenn die andere gerade einen Samosa oder einen Chai Tee halten muss… Achte beim Kauf darauf, dass die Kamera wasserdicht ist. Diese Kameras sind robuster und besser geschützt vor Staub. Wenn eine gute Bildnachbearbeitung für Dich wichtig ist, sollte Deine Kompaktkamera die Fotos auch im RAW Format abspeichern können. Dies gilt auch für die folgenden Kameratypen, die wir Euch vorstellen. Die empfohlene Brennweite des Zoomobjektivs sollte bei 30 bis 105 liegen. Bei Kameras mit zu großer Brennweitensprünge leidet meist die Qualität der Fotos. Außerdem verschmutzt das Objektiv mit Staub, wenn das Objektiv sehr weit rein- und rausfährt. Gute Kameras, die den Anforderungen entsprechen, gibt es bereits für ca. 300 EUR zu kaufen.

Die Systemkamera (mit wechselbarem Objektiv)

Die Systemkamera ist das perfekte Mittelding für alle, die Wert legen auf eine gute Fotoqualität, aber denen die Spiegelreflexkamera einfach zu umständlich ist. Wir empfehlen Kameras mit wechselbarem Objektiv. Diese haben den Vorteil, dass der Sensor bei Bedarf im Fachgeschäft gereinigt werden kann und man so lange Freude an seiner Kamera hat. Es ist normalerweise ausreichend, mit einem Objektiv zu verreisen. Die Brennweite sollte bei 24 bis 105 bzw. 120 liegen. Diese Werte sind Allrounder für gute Fotos. Und natürlich sollte die Systemkamera die geknipsten Fotos auch im RAW-Format abspeichern können, sofern eine professionelle Bildbearbeitung von Euch geplant ist.

Bildnachbearbeitung

Für eine einfache und schnelle Nachbearbeitung Deiner Fotos, kannst Du die vorinstallierten Programme auf Deinem PC verwenden bzw. die mit Deiner Kamera mitgeliefert wurden. Hierfür ist das JPEG-Format auch ausreichend. Wer es aber anspruchsvoller mag und die Fotos von der Kamera auch im RAW-Format abgespeichert wurden, nutzt als Beispiel Photoshop. Das Programm Photoshop Elements kostet ca. 60 bis 70 EUR und ist auch für Anfänger gut geeignet. Es bietet sehr viele, interessante Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, z.B. die Farben herauszuarbeiten oder Panoramen zusammenzusetzen. Kleiner Tipp: Achtet darauf, dass das RAW-Format Eurer Kamera mit dem Bildbearbeitungsprogramm kompatibel ist.

Die Spiegelreflexkamera

Die Spiegelreflexkamera ist die kleine Königin unter den Kameras und liefert sehr gutes Fotomaterial. Wir empfehlen auch hier ein Objektiv mit den Brennweiten von 24 bis 120. Allerdings ist sie natürlich auch recht schwer und klobig und man muss sie auch bedienen können. Der Vorteil des Gewichts aber ist, dass sie dadurch auch besser in Hand liegt und Bilder weniger verwackeln. Insbesondere bei der Spiegelreflexkamera ist es wichtig, dass Ihr Euch vor der Reise mit den Funktionen vertraut macht. Dies macht aber auch eine Menge zusätzlicher Einstellungen beim Fotografieren möglich. Außerdem kann nahezu jede Spiegelreflexkamera die Fotos im RAW-Format abspeichern. Einer Nachbearbeitung durch diverse Bildbearbeitungsprogramme steht daher nichts mehr im Wege.

Fotografieren im Sonnenuntergang

Tele- und Weitwinkelobjektive

Ein Superteleobjektiv kann beispielsweise auf Safaris sinnvoll sein, wenn man Motive aus großer Entfernung fotografieren möchte. Allerdings ist ein Teleobjektiv für Laien schwer zu händeln. Für ein gelungenes Foto müssen gewisse Faktoren einkalkuliert werden, wie z.B. die Luftverhältnisse. Was von Eurem Standort wie leichter Dunst aussieht, kann auf einem Foto mit Supertele zu dichtem Nebel werden… Ein Weitwinkel ist empfehlenswert, um beispielsweise lebendige Szenerien einzufangen. Ihr könnt nah an das Motiv herangehen und bekommt trotzdem viel von der Umgebung und dem Hintergrund auf das Foto. Aber eine umfangreiche Ausrüstung macht noch keinen guten Fotografen aus Dir. Für Laien, Urlaubs- und Hobbyfotografen reicht ein Alltagsobjektiv vollkommen aus. Beschwert Euch daher auf Euren Reisen nicht unnötig mit kiloschwerer Ausrüstung. Übung macht den Meister! Wenn Du merkst, dass Du mit dem Alltagsobjektiv an Deine Grenzen stößt und Du mehr ausprobieren möchtest, ist immer noch Zeit für eine neue Anschaffung.

Externer Blitz

Wer es wirklich ernst mit seinen Fotos meint, kann über die Mitnahme eines externen Blitzes nachdenken. Ein externer Blitz ist normalerweise besser als ein verbauter. Eingesetzt wird er zum Beispiel bei Gegenlicht.

Tipps für gute Reisefotos

1) Sei mittendrin

Gehe immer nah an dein Motiv heran bzw. in die Situation hinein. Verständige Dich mit den Menschen. Das geht auch ohne Kenntnisse der Landessprache, denn Zeichensprache ist international.  Zeige einfach auf Deine Kamera und Du wirst schon merken, ob Dein Gegenüber fotografiert werden möchte. Wenn du eine interessante Szenerie – z.B. eine Straßenszene in Delhi – auf einem Foto festhalten möchtest, finde zunächst heraus, was bzw. welches Detail in dem ganzen Trubel Dich am meisten interessiert. Fokussiere Dich darauf und setzte dieses Motiv mit einem Weitwinkel in den Mittelpunkt. Verlasse Deine Komfortzone, es lohnt sich immer für ein gutes Foto!

Touristin fotografiert auf dem Tshechu Fest in Mongar, Bhutan

2) Nutze den Blitz

Bei schwierigen Lichtverhältnissen, nutze den eingebauten oder einen externen Blitz. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn dein Motiv zu kontrastreich bzw. das Licht zu stark ist. Durch den Blitz werden zu große Unterschiede zwischen Hell und Dunkel im Vordergrund weggeblitzt. Der Abstand zum Motiv sollte dabei maximal 5 bis 6 Meter betragen. Übrigens: Die meisten guten Kameras können auch mit wenig Licht gute und insbesondere stimmungsvollere Fotos machen, als mit Blitz. Setze den Blitz daher überwiegend ein, wenn es zu hell ist.

3) Mache keine Kompromisse

Du machst nur wirklich gute Bilder, wenn Du Dich auf keine Kompromisse einlässt. Das fängt bereits bei der Ausrüstung an. Suche Dir immer die beste Perspektive auf Dein Motiv. Manchmal wird es halt unbequem und Du musst irgendwo herauf klettern oder Dich auf den Boden legen. Wenn ein Mensch nicht fotografiert werden möchte, verzichte lieber auf das Bild und warte auf eine neue, gute Gelegenheit.

4) Finde Deinen eigenen Stil

Fotografiere intuitiv! Setz Dich nicht unter Druck mit Theorien vom Goldenen Schnitt. Bildkompositionen sind immer Geschmackssache. Und knipse Deine Fotos nicht, um besonders viele Likes zu bekommen. Mach die Fotos nur für Dich und entwickele eigene Ideen! Experimentiere mit Licht und Schatten, probiere Fotos in Schwarz-Weiß oder wie wäre es mit minimalistischer Fotografie? Es gibt unendliche Möglichkeiten! Finde einfach Deinen eigenen Stil.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure Jessica
Jessica am Taj Mahal in Indien